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Datenschutz

News & Trends

Rubrik: Arbeitsrecht, Beschäftigtendatenschutz, Datenübermittlungen, DSGVO, EU-Datenschutz-Grundverordnung, EU-Standardvertragsklauseln

Beschäftigtendatenschutzrechtliche Anforderungen an Matrix-Strukturen im Konzern

Matrix-Strukturen sind ein in der Praxis häufig genutztes Organisationsmodell für erfolgreiche und effiziente personelle Zusammenarbeit in Unternehmensgruppen und Konzernen. Um diese Strukturen effektiv nutzen zu können, ist der Austausch von personenbezogenen Daten zwischen einzelnen Gesellschaften des Konzerns erforderlich. Hierbei müssen Unternehmen im Konzern die Anforderungen des Beschäftigtendatenschutzes beachten. Der vorliegende dritte Beitrag aus unserer Reihe zu rechtlichen Besonderheiten bei Matrix-Strukturen in Konzernen gibt einen Überblick über wesentliche datenschutzrechtliche Fragen zu diesem Thema. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Compliance, Datenschutz Allgemein, Datenschutz im Internet, DSGVO, Kundendatenschutz

Website Compliance: Haftung für Social Plugins – Vorlagefragen an EuGH

Das von der Verbraucherzentrale NRW gegen die direkte Einbindung des Facebook „Like-Buttons“ geführte Klageverfahren geht in die nächste Runde: Mittlerweile beschäftigt sich das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf im Berufungsverfahren mit der Rechtmäßigkeit der direkten Einbindung von Social Plugins wie des „Like-Buttons“. Durch Beschluss vom 19. Januar 2017 (Az. I-20 U 40/16) hat das Gericht das Verfahren jedoch ausgesetzt und sich mit mehreren Vorlagefragen an den Europäischen Gerichtshof gewendet. Dieser muss nun grundsätzlich klären, ob Website-Betreiber für die Einbindung des „Like-Buttons“ rechtlich verantwortlich sind. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Datenschutz Allgemein, Datenschutz International, DSGVO, EU-Standardvertragsklauseln

Hebelt US-Präsident Trump’s Executive Order den EU-US Privacy Shield aus?

Die jüngsten Amtshandlungen von US-Präsident Trump bestimmen momentan nicht nur die täglichen Nachrichten, sondern sind auch Gegenstand aktueller Diskussionen der Europäischen Datenschützer: Konkret geht es um eine von US-Präsident Trump am 25. Januar 2017 unterzeichnete präsidiale Anordnung „zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit“. Einigen Stimmen zufolge unterlaufe diese Anordnung die Zusicherungen der Obama-Administration, auf denen der EU-US Privacy Shield beruht, wodurch der EU-US Privacy Shield keine ausreichende rechtliche Absicherung für Datentransfers in die USA mehr darstelle. Tatsächlich stellt sich dies nach der gegenwärtigen Sach- und Rechtslage jedoch nicht so dar, so dass sich betroffene Unternehmen durch den Fluss der aktuellen Diskussion nicht zu übereilten Entscheidungen hinreißen lassen sollten. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Compliance, Datenschutz Allgemein, Datenschutz im Internet, Datenschutz International, Datensicherheit

Umsetzung der NIS-Richtlinie: Neue Pflichten für Anbieter digitaler Dienste

Cyberangriffe stellen eine zunehmende Bedrohung für eine Vielzahl von Unternehmen und die Allgemeinheit dar, wie zuletzt das BSI wieder festgestellt hat. Nun hat die Bundesregierung am 25. Januar 2017 einen ersten Gesetzesentwurf zur Umsetzung der NIS-Richtlinie auf den Weg gebracht, der insbesondere Anbietern von Online Markplätzen, Online-Suchmaschinen und Cloud-Computing-Services neue – bußgeldbewährte – Pflichten zur Wahrung der Sicherheit ihrer IT-Systeme auferlegt. Bundesweit sollen zwischen 500 und 1500 Unternehmen betroffen sein. Wir geben einen ersten Überblick über den Entwurf.

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Rubrik: Datenübermittlungen, Datenschutz Allgemein, Datenschutz im Internet

Digitaler Binnenmarkt: EU Kommission veröffentlicht Paket zum digitalen Datenverkehr

Am 10. Januar 2017 hat die Europäische Kommission ihr lang ersehntes Gesetzespaket zur Verwirklichung des digitalen Binnenmarktes auch im Bereich des elektronischen Datenverkehrs der Öffentlichkeit vorgestellt (Pressemitteilung). Die aktuelle Initiative umfasst erneut ein ambitioniertes Paket an Verordnungsentwürfen, Kommissionsmitteilungen und begleitenden Dokumenten. Man kann mit Fug und Recht von einem weiteren „Meilenstein“ in der Umsetzung der grundlegenden Binnenmarktstrategie (Digital Single Market – DSM) der Kommission vom Mai 2015 sprechen. Dem jetzigen Paket vorausgegangen ist eine Reihe von Konsultationen, die der breiten Öffentlichkeit 2016 die Möglichkeit zur Stellungnahme gegebenen haben, wie auch ein vertieftes Impact Assessment durch die Kommission. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Arbeitsrecht, Beschäftigtendatenschutz, Compliance, Datenschutz Allgemein

Beschäftigtendatenschutz: BAG zur Verwertbarkeit von Zufallsfunden aus heimlicher Überwachung

Tim Wybitul & Dr. Wolf-Tassilo Böhm

Das BAG präzisiert in einer aktuellen Entscheidung, welche Vorgaben Unternehmen bei der Aufklärung von Straftaten, Compliance-Verstößen und sonstigen schwerwiegenden Pflichtverletzungen beachten müssen

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am 22. September 2016 ein wichtiges Urteil gefällt und kürzlich die Entscheidungsgründe veröffentlicht. Darin geben die Richter Antworten auf wesentliche Fragen des Beschäftigtendatenschutzes. Die Entscheidung (Az.: 2 AZR 848/15) können Sie hier abrufen. Sie zeigt, unter welchen Voraussetzungen Ermittlungs- oder Kontrollmaßnahmen des Arbeitgebers ohne Kenntnis der davon betroffenen Arbeitnehmer  zulässig sind. Ebenso zeigt die Entscheidung, dass und unter welchen Voraussetzungen Arbeitsgerichte sogar unstreitige Tatsachen unbeachtet lassen, wenn der Arbeitgeber diese datenschutzrechtswidrig erhoben hat. Damit hat sie auch  erhebliche Bedeutung für interne Ermittlungen und Compliance-Kontrollen. Viele der vom BAG aufgestellten Anforderungen lassen sich  beispielsweise auch auf die Auswertung von Email-Korrespondenz zur Aufdeckung konkret vermuteter Pflichtverletzungen oder ähnliche Aufklärungsmaßnahmen übertragen. Der vorliegende Überblick zeigt die Anforderungen des BAG und gibt Arbeitgebern Empfehlungen, wie sie diese effektiv und rechtssicher umsetzen können. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Beschäftigtendatenschutz, DSGVO, EU-Datenschutz-Grundverordnung

EU-Datenschutz-Grundverordnung: Überblick über den neuen Gesetzentwurf zur DSGVO

Gesetzentwurf zum neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) abrufbar – Erster Überblick über geplante Regelungen

Ab Mai 2018 gilt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das Bundesministerium des Inneren (BMI) hatte bereits im August einen Referentenentwurf für ein Ausführungsgesetz vorgelegt. Das Gesetz soll „Datenschutz-Anpassungs- und Umsetzungsgesetz EU“ (DSAnpUG-EU) heißen. Kernstück des ersten vorgelegten Entwurfs war ein „Allgemeines Bundesdatenschutzgesetz“ (ABDSG). Das ABDSG sollte eine Anpassung des deutschen Rechts an die Vorgaben der DSGVO sicherstellen. Zudem soll es die in der DSGVO vorgesehenen Öffnungsklauseln möglichst weitgehend nutzen. Dieser Entwurf war Gegenstand teilweise massiver Kritik, etwa durch die Bundesdatenschutzbeauftragte und das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV). Nähere Einzelheiten hierzu sowie ausführliche Stellungnahmen finden Sie hier.

Ein entsprechendes Interview aus der Zeitschrift für Datenschutz (ZD) mit dem Berichterstatter der DSGVO im Europaparlament und Hogan Lovells-Partner Tim Wybitul können Sie hier mit freundlicher Genehmigung des Verlag C.H. Beck abrufen.HL Data Protection

Ein erster Überblick über den  neuen BDSG-Entwurf

Nun hat die Deutsche Vereinigung für Datenschutz e.V. (DVD) eine neue Entwurfsfassung vom 11.11.2016 geleakt. Die wichtigsten Änderungen sollen nun in einem neu gefassten Bundesdatenschutzgesetz geregelt werden. Dessen Entwurf können sie hier online abrufen. Bereits beim ersten Durchlesen fällt auf, dass der Entwurf viele Kritikpunkte nicht berücksichtigt. Nachstehend finden Sie einige für Unternehmen besonders relevante erste Eckdaten des Referentenentwurfs für ein BDSG:

  • Struktur und Klarheit: Die vom BMI vorgeschlagenen Regelungen sind komplex, wenig übersichtlich und selbst für Experten schwer verständlich. Erwägungsgrund 8 der DSGVO stellt hierzu allerdings recht hohe Anforderungen auf: „Wenn in dieser Verordnung Präzisierungen oder Einschränkungen ihrer Vorschriften durch das Recht der Mitgliedstaaten vorgesehen sind, können die Mitgliedstaaten Teile dieser Verordnung in ihr nationales Recht aufnehmen, soweit dies erforderlich ist, um die Kohärenz zu wahren und die nationalen Rechtsvorschriften für die Personen, für die sie gelten, verständlicher zu machen.“ Insgesamt dürfte zweifelhaft sein, ob der BDSG-E die Kohärenz wahrt. Noch mehr Zweifel dürften bestehen, ob das geplante deutsche Gesetz „die nationalen Rechtsvorschriften für die Personen, für die sie gelten, verständlicher“ macht.
  • Begriffsbestimmungen: In § 2 BDSG-E sind eine Reihe gesetzlicher Begriffsbestimmungen aus Art. 4 DSGVO wiedergegeben. Diese Regelung dürfte im Hinblick auf das vom EuGH aufgestellte Wiederholungsgebot problematisch sein.
  • Datenschutz am Arbeitsplatz: § 24 BDSG-E regelt den künftigen Beschäftigendatenschutz. Die Vorschrift entspricht weitgehend dem bisherigen § 32 BDSG. Hier stellt sich die Frage, ob diese Regelung den Anforderungen des Art. 88 Abs. 2 DSGVO entspricht. Einen ausgesprochen gelungenen Überblick zu dieser Frage gibt Kort, Die Zukunft des deutschen Beschäftigtendatenschutzes, ZD 2016, 555 ff. Zudem enthält § 24 Abs. 3 DSGVO eine gesetzliche Definition des Begriffs des Beschäftigten.
  • Sonderregelungen: Der Entwurf sieht Spezialregelungen für Datenverarbeitungen zu wissenschaftlichen oder historischen Forschungszwecken vor (§ 25 BDSG-E), für Geheimhaltungspflichten unterliegenden Daten (§ 26 BDSG-E), für Übermittlungen an Auskunfteien (§ 27 BDSG-E), für Scorings (§ 28 BDSG-E), für Verbraucherkredite (§ 29 BDSG-E)
  • Informationspflichten: § 30 und § 31 BDSG-E sollen die Informationsrechte nach Art. 13. und 14 DSGVO einschränken. Insbesondere sollen Untersichtungspflichten nach Art. 13 DSGVO entfallen, sofern dies „einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde“ oder „voraussichtlich die Verwirklichung der Ziele der Verarbeitung unmöglich machen oder ernsthaft beeinträchtigen würde und deswegen das Interesse der betroffenen Person an der Informationserteilung zurücktreten muss„. Ausweislich der Entwurfsbegründung soll diese Ausnahme auf Art. 23 DSGVO gestützt werden. Es dürfte ausgesprochen interessant werden, ob Fachliteratur (und später ggf. einmal die Gerichte) dies als EU-rechtlich zulässig bewerten werden.
  • Einschränkung sonstiger Betroffenenrechte: Auch §§ 32 bis 35 BDSG-E schränken die Betroffenenrechte nach Art. 14 ff. DSGVO weiter ein.
  • Datenschutzbeauftragte: § 36 BDSG-E sieht vor, dass Unternehmen einen Datenschutzbeauftragten (DSB) benennen müssen, falls sie in der Regel mindestens zehn Personen ständig mit der Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigen. Unternehmen müssen auch dann einen DSB benennen, wenn sie (risikobehaftete) Verarbeitungen vornehmen, die einer Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO unterliegen. Die Bestellpflicht gilt auch, wenn sie personenbezogene Daten geschäftsmäßig zum Zweck der Übermittlung, der anonymisierten Übermittlung oder für Zwecke der Markt- oder Meinungsforschung verarbeiten. Diese Regelung ist zweckmäßig und schafft Rechtssicherheit für DSB und Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland.
  • Bußgelder: § 40 BDSG-E  sieht eine Obergrenze von EUR 300.000 vor, wenn jemand „in Ausübung seiner Tätigkeit für den Verantwortlichen oder Auftragsverarbeiter“ einen der in Art. 83 Abs. 4, 5 oder Abs. 6 DSGVO genannten Verstöße begeht. Auch hier dürfte fraglich sein, ob diese Regelung mit der in Art. 83 Abs. 1 DSGVO angeordneten Vorgabe vereinbar ist, dass Bußgelder „wirksam und abschreckend“ sein müssen. Zudem hilft die Regelung Vorständen oder Geschäftsführern nur bedingt, wenn Datenschutzverstöße in ihren Verantwortungsbereich fallen. Denn dann sehen sie sich Regressansprüchen des Unternehmens ausgesetzt, für das ja die hohen, am Umsatz orientierten Bußgelder Anwendung finden können. Da es hier in der Regel um vorsätzliche Handlungen geht, treten D&O-Versicherungen normalerweise nicht ein, da diese Versicherungen vorsätzliche Taten zumeist nicht abdecken.
  • Datenschutz-Straftaten: § 41 BDSG-E regelt die Strafbarkeit von Datenschutzverstößen. Die Vorschrift entspricht im Wesentlichen dem bisherigen § 44 BDSG. Begeht jemand eine Handlung nach Art. 83 Abs. 5 DSGVO „vorsätzlich gegen Entgelt oder in der Absicht, sich oder einen anderen zu bereichern oder einen anderen zu schädigen„, so macht er sich strafbar. Verstöße gegen § 41 BDSG-E sollen mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Verstößt jemand in gleicher Weise „nur“ gegen die mit Bußgeldern von bis zu EUR 10 Millionen (bzw. Bis zu 2 Prozent des Umsatzes) bewehrten Vorgaben von Art. 83 Abs. 4 BDSG, so drohen keine Strafbarkeitsrisiken.
  • Sonstige Pflichten der Verantwortlichen und Auftragsverarbeiter: Die §§ 57 bis 72 BDSG-E regeln sonstige Pflichten für Unternehmen, die Daten in eigener Verantwortung oder im Auftrag verarbeiten. Sie regeln Themen von der Auftragsverarbeitung bis hin zur vertraulichen Meldung von Verstößen und enhalten teilweise für die Praxis durchaus relevante Abweichungen von den Vorgaben der DSGVO. Bereits bei einer ersten kursorischen Durchsicht stellt sich hier die Frage, wie eine Reihe der Vorschriften mit dem vom EuGH aufgestellten Wiederholungsverbot in Einklang zu bringen sein sollen.
  • Übermittlungen in Drittstaaten: §§ 73 bis 76 BDSG-E enthalten Sonderregeln für die Übermittlung personenbezogener Daten an Verantwortliche in Drittstaaten.

 

Fazit und Handlungsempfehlungen

Natürlich sollte man in einem ersten Überblick mit Bewertungen vorsichtig sein. Der erste Eindruck von dem geplanten BDSG-E verheißt allerdings aus Unternehmenssicht wenig Gutes. Zwar versucht das BMI erkennbar, der Wirtschaft Gutes zu tun. Der Referentenentwurf sieht viele Ausnahmen vor, die die Pflichten von Unternehmen bei der Datenverarbeitung einschränken sollen. Allerdings ist er so schwer verständlich, dass er für Laien kaum anwendbar sein dürfte – gerade im Zusammenspiel mit der auch nicht eben einfach strukturierten DSGVO. Für Datenschutzexperten sind Gesetze wie das geplante BDSG-E zwar eine stete Einnahmequelle – für Unternehmen und Bürger wären aber klare und verständliche Vorschriften nötig.

Vor allem aber sind viele Regelungen europarechtlich durchaus nicht unproblematisch. Auch einige wesentliche Kritikpunkte der Bundesdatenschutzbeuaftragten und des BMJV sind nicht ausgeräumt. Damit bleibt auch völlig offen, ob der Gesetzentwurf eine Mehrheit im Bundestag findet. Und gerade diese Unsicherheit stellt deutsche Unternehmen vor hohe Hürden. Denn sie müssen nun entscheiden, ob sie sich in laufenden Umsetzungsprojekten an den Vorgaben der DSGVO oder mehr an denen des BDSG-E orientieren. Bauen sie auf den Referentenentwurf des BMI, stehen sie vor großen Problemen, wenn der Entwurf den deutschen Bundestag nicht passiert oder bereits in der Ressortabstimung scheitert. Zudem erschwert das geplante BDSG-E es Unternehmen, EU-weite Konzepte zur Umsetzung der DSGVO zu entwickeln und umzusetzen. Daher werden gerade größere Unternehmen voraussichtlich zunächst eher an die Anforderungen der DSGVO als die des BDSG-E in ihre Planung bei DSGVO-Implementierungsprojekten einbeziehen.

Zudem empfiehlt es sich für in Deutschland tätige Unternehmen, die weitere Entwicklung in Bezug auf den geplanten BDSG-E genau zu beobachten. Hierzu können Sie auch unseren rechts auf dieser Seite angebrachten Newsfeed nutzen. Gerne halten wir Sie zur DSGVO, zum BDSG-E und zu weiteren wirtschaftsrechtlichen Fragen auf dem Laufenden.

Rubrik: Datenschutz Allgemein, Datenschutz im Internet, Datenschutz International, EU-Standardvertragsklauseln

500 Unternehmen betroffen: Datenschutzbehörden überprüfen internationale Datentransfers

Internationaler DatentransferIn den bevorstehenden Wochen werden zehn der deutschen Datenschutzbehörden in einer gemeinsam koordinierten Prüfaktion rund 500 verschiedene Unternehmen auffordern, Auskunft zu den von ihnen veranlassten internationalen Datentransfers zu erteilen. Den betroffenen Unternehmen werden dabei Fragebögen zugesendet, in denen detaillierte Angaben zu Übermittlungen von personenbezogenen Daten in Nicht-EU/EWR-Staaten abgefragt werden. Die Behörden gehen davon aus, dass vielen Unternehmen gar nicht bewusst ist, in welchem Umfang sie personenbezogene Daten in das Ausland übermitteln und ob dies rechtmäßig erfolgt. Lesen Sie mehr »

Rubrik: Compliance, Datenschutz Allgemein, Datenschutz im Internet

EuGH entscheidet: Speicherung dynamischer IP-Adressen durch Webseitenbetreiber kann zulässig sein

Mit seiner Entscheidung vom 19. Oktober 2016 (C-582/14) hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass dynamische IP-Adressen als personenbezogene Daten zu qualifizieren sein können, auch wenn die Identität des betreffenden Internetnutzers nur mit Hilfe Dritter (z.B. Access-Provider oder Ermittlungsbehörde) möglich ist. Zugleich hat das Gericht entschieden, dass eine enge Auslegung von § 15 Telemediengesetz (TMG) mit Art. 7 lit. f) der Datenschutzrichtlinie 95/46/EG nicht vereinbar ist und dass Webseitenbetreiber ein berechtigtes Interesse haben können, dynamische IP-Adressen (und andere Protokolldaten) zu speichern, um die Integrität des Systems sicherzustellen oder um eine Ermittlung von Cyberangriffen zu ermöglichen.

Worum geht es in der Entscheidung?

Der Entscheidung des EuGH liegt die Klage eines deutschen Internetznutzers zugrunde, der sich gegen die Speicherung der seinem Internetanschluss zugewiesenen IP-Adresse durch einen Webseitenbetreiber gewendet hat. Dieser betreibt unterschiedliche öffentlich zugängliche Webseiten mit Informationsangeboten.

Dynamische IP-Adressen = personenbezogene Daten?

Rechtlich geht es um die Frage, ob dynamische IP-Adressen als „personenbezogene Daten“ zu verstehen sind, mit der Folge, dass ihre Erhebung und Speicherung nur dann zulässig ist, wenn die betroffene Person (der Internetnutzer) in die Erhebung und Verarbeitung dieser Daten eingewilligt hat oder eine gesetzliche Vorschrift diese Datenverarbeitung anordnet oder erlaubt (§ 12 Abs. 1 TMG).

Einer Einordnung als personenbezogenes Datum hatte die Betreiberin der Webseiten mit der Begründung widersprochen, dass sie keine Kenntnis von der Identität des Inhabers der jeweiligen dynamischen IP-Adresse habe, sondern dass lediglich der Access-Provider über derartige Zusatzinformationen verfüge. Damit ging es in dem vorliegenden Rechtsstreit auch um eine Entscheidung über die sogenannte (überwiegend in Deutschland vertretene) Theorie der Relativität des personenbezogenen Datums.

Speicherung zu Sicherungszwecken zulässig?

Außerdem hatte der Kläger in den Verfahren vor den deutschen Gerichten eingewandt, dass gem. § 15 Abs. 1 TMG die Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten nur zulässig sei, soweit dies erforderlich ist, um den Zugang zu den Telemedien (Internetseiten) oder die Abrechnung der Internetnutzung zu ermöglichen. Den vom Webseitenbetreiber angegebenen Zweck, wonach die Speicherung der IP-Adresse erfolgt, um eine strafrechtliche Verfolgung von Cyberangriffen zu ermöglichen, war nach Ansicht des Klägers nicht von § 15 Abs. 1 TMG gedeckt. Somit ging es in dem Verfahren vor dem EuGH auch um die Frage, ob ein enges Verständnis von § 15 TMG mit der zugrundeliegenden Datenschutzrichtlinie (insbesondere Art. 7) vereinbar ist.

Entscheidung des EuGH

Mit seinem Urteil vom 19. Oktober 2016 (Patrick Breyer ./. Bundesrepublik Deutschland) hat der EuGH nun entschieden, dass dynamische IP-Adressen für den Betreiber einer Webseite auch dann ein personenbezogenes Datum im Sinne des Art. 2 der Datenschutzrichtlinie sein können, wenn er selbst nicht über die notwendigen Informationen verfügt, um die Identität des Anschlussinhabers festzustellen, solange er über rechtliche Mittel verfügt, die es ihm (dem Webseitenbetreiber) erlauben, die betreffende Person anhand von Zusatzinformationen, über die ein Dritter verfügt, bestimmen zu lassen.

Hierbei kann es sich nach Ansicht des EuGH um den Internetzugangsanbieter (Access-Provider) oder (Ermittlungs-)Behörden handeln (Rn. 48 der Entscheidung). Insoweit stellt das Gericht fest, dass es ausreichen würde, wenn der Webseitenbetreiber nach nationalen Vorschriften rechtliche Möglichkeiten hat, die es ihm erlauben, sich an die zuständige Behörde (z.B. im Fall von Cyberangriffen) zu wenden, um die fraglichen Informationen über die Identität des Inhabers der dynamischen IP-Adresse vom Access-Provider zu erlangen.

Nach dieser Feststellung war anschließend zu klären, ob die Speicherung dynamischer IP-Adressen durch Webseitenbetreiber mit der Begründung und dem Hinweis zulässig ist, dass dies aus Gründen der Systemsicherheit und zur Ermöglichung einer Strafverfolgung im Fall von Cyberangriffen erfolge.

Dies bejaht der EuGH in seiner Entscheidung vom 19. Oktober 2016 und stellt fest, dass gemäß Art. 7 lit. f) der Europäischen Datenschutzrichtlinie die Verarbeitung personenbezogener Daten auch zur Verwirklichung eines berechtigten Interesses des für die Verarbeitung Verantwortlichen (Webseitenbetreiber) zulässig sein kann, sofern die Datenverarbeitung erforderlich ist und keine überwiegenden Interessen des Betroffenen (Internetnutzer) entgegenstehen.

In der engen Auslegung von § 15 TMG des Klägers sieht das Gericht hingegen einen Verstoß gegen die europarechtlichen Vorlagen, da sie den Weg für die vom europäischen Richtliniengeber geforderte Interessenabwägung versperrt. Mit anderen Worten verlangt der EuGH eine richtlinienkonforme Auslegung von Art. 7 lit. f) der Datenschutzrichtlinie und gelangt zum Ergebnis, dass eine Speicherung personenbezogener Daten aus Gründen der Systemsicherheit von Webseiten und zur Ermittlung von Cyberangriffen oder sonstigen Störungen der Integrität der angebotenen Telemedien zulässig sein kann.

Zu dem Vorabentscheidungsersuchen des Bundesgerichtshofs (Entscheidung vom 28. Oktober 2014) siehe unseren vorherigen Blog-Beitrag.

Praxistipps

Betreiber von Webseiten sollten spätestens nach der aktuellen Entscheidung des EuGH prüfen, in welchem Umfang sie sogenannte Protokolldateien (hierunter auch dynamische IP-Adressen) speichern und ob sie Internetnutzer über den Umstand und den Zweck der Speicherung hinreichend informieren. Mit anderen Worten sollten die Betreiber von Webseiten ihre Datenschutzhinweise umgehend auf eine Vereinbarkeit mit der Entscheidung des EuGH prüfen, auch wenn eine finale Entscheidung des vorliegenden Rechtsstreits nach der Zurückverweisung an die deutschen Gerichte noch aussteht. Eine regelmäßige Überprüfung der rechtlichen Texte zur Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten („Datenschutzhinweise“, „Datenschutzerklärung“, „Privacy Policy“) ist ohnehin unter dem Gesichtspunkt der Website Compliance in regelmäßigen Abständen zu empfehlen, um sicherzustellen, dass die rechtlichen Informationen und Rahmenbedingungen mit den technischen Entwicklungen und Funktionalitäten der Webseite Schritt halten.